Lohnerhöhung versus Gehaltserhöhung

Lohnerhöhung versus Gehaltsumwandlung

Steuerbegünstigte Lohnbestandteile können auch bei Barlohnverzicht gewährt werden

 

Wird über das Gehalt gesprochen, ist meist nur der Brutto- oder gar nur der Nettolohn gemeint. Doch das Arbeitsentgelt ist die Summe aller Lohnbestandteile. Zu ihnen gehören neben dem Barlohn auch die unentgeltlich oder verbilligt gewährten Sachleistungen. Während Barlohn immer mit dem individuellen Steuersatz des Arbeitnehmers steuerpflichtig und sozialversicherungspflichtig ist, kann der Arbeitgeber andere Lohnbestandteile zum Teil steuerfrei gewähren oder pauschal mit 15 %, 20 % oder 25 % besteuern. Zudem sparen Arbeitnehmer und Arbeitgeber dabei auch noch Sozialversicherungsbeiträge.

Unproblematisch ist das Ganze, wenn statt einer Barlohnerhöhung steuerbegünstigte Lohnbestandteile vereinbart werden. Doch es kann auch anders gehen. Arbeitnehmer und Arbeitgeber können Gehaltsumwandlungen vereinbaren. Das Ganze hat jedoch einen Haken, denn vielfach kann die Steuerfreiheit oder günstige Steuerpauschalierung nur dann in Anspruch genommen werden, wenn der Lohnbestandteil zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn gewährt wird. Beispielhaft sind hier zu nennen:

  • Steuerfreies Jobticket
  • Steuerfreie Kindergartenzuschüsse
  • Steuerfreie betriebliche Gesundheitsförderung
  • Steuerfreie Überlassung von Fahrrädern
  • Pauschalbesteuerter Fahrtkostenzuschuss für Fahrten Wohnung – erste Tätigkeitsstätte

Doch was heißt zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn? Aus der Sicht der Finanzverwaltung schließen sich Gehaltsumwandlungen und die Gewährung von Lohnbestandteilen zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Lohn gegenseitig aus. Die Richter des Bundesfinanzhofes (BFH) kommen hingegen mit Urteilen vom 1. August 2019 zu einer anderen Rechtsauffassung. Unter bestimmten Umständen sehen sie auch bei einer Gehaltsumwandlung mit Barlohnverzicht und zweckgebundener Gewährung anderer Lohnbestandteile das Zusätzlichkeitserfordernis durch den Arbeitgeber als erfüllt an. Nach ihrer Meinung liegt immer dann zusätzlicher Arbeitslohn vor, wenn dieser verwendungs- bzw. zweckgebunden neben dem ohnehin geschuldeten Arbeitslohn geleistet wird.

Diese geänderte Rechtsauffassung könnte für Arbeitnehmer günstig sein, die für die Nutzung eines Dienstfahrrads eine Gehaltsumwandlung mit dem Arbeitgeber vereinbart haben. Bis einschließlich 2018 wurde die private Nutzung des Dienstfahrrads genauso besteuert, wie die von anderen Firmenfahrzeugen. Allerdings wurde der geldwerte Vorteil für die Wege zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte nicht besteuert. So mancher fahrradbegeisterte Arbeitnehmer, dessen Wunschfahrrad Anschaffungskosten von mehreren tausend Euro hatte, freute sich über ein Angebot des Arbeitgebers für ein Fahrrad. Er stimmte daher in der Vergangenheit einer Gehaltsumwandlung mit Verzicht auf einen Teil des Barlohns bei gleichzeitiger Gewährung des schicken Wunsch-Dienstfahrrads zu.

Seit 2019 können Arbeitgeber ein Fahrrad nunmehr zwar komplett steuerfrei überlassen, allerdings nur, wenn die Überlassung zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn erfolgt. Arbeitnehmer, die einer Gehaltsumwandlung gegen Gewährung eines Fahrrads zugestimmt haben, können diese steuerliche Begünstigung daher nicht in Anspruch nehmen, weil laut aktueller Rechtsauffassung der Finanzverwaltung ihr Fahrrad gerade nicht zusätzlich, sondern anstelle des Barlohns vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt wird. Bei ihnen bleibt es bei der Besteuerung mit 1 % vom Bruttolistenpreis.

Mit der neueren BFH-Rechtsprechung könnte aber auch in diesen Fällen die private Nutzung eines Fahrrads steuerfrei behandelt werden. Doch bevor sich Arbeitnehmer über die Änderung der Rechtsprechung des BFH freuen, sollten sie in ihre Vereinbarung zur Gehaltsumwandlung schauen. Denn nur, wenn dort nicht bereits vereinbart wurde, dass bei Wegfall des zweckgebundenen Lohnbestandteils wieder auf den alten Barlohn (verpflichtend) aufgestockt wird, handelt sich um eine begünstigte Gehaltsumwandlung. Zudem ist aktuell noch Vorsicht geboten, Gehaltsumwandlungen dieser Art neu abzuschließen. Denn die Finanzverwaltung hat sich noch nicht zu den Urteilen des BFH geäußert. Es ist also noch nicht klar, ob die Finanzverwaltung der Rechtsauffassung des BFH zustimmt oder mit einem Nichtanwendungserlass reagiert oder eine Gesetzesänderung anstrebt.

Tipp: Wird im Rahmen von Gehaltsgesprächen die Gewährung von zweckgebunden bzw. verwendungsgebundenen Lohnbestandteilen anstelle einer Gehaltserhöhung vereinbart, so ist dies für das Zusätzlichkeitserfordernis grundsätzlich unschädlich und die Steuervergünstigung kann regelmäßig in Anspruch genommen werden.

(Stand: 30.12.2019)

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